Bild des Monats

"geschoren" (ab dem 13.06.)

Im Zentrum der Zeichnung „geschoren“ steht ein faszinierendes Zeugnis der Vergangenheit: eine eiserne Bügelschere aus der Zeit zwischen der jüngeren Eisenzeit und der älteren Kaiserzeit (ca. 1. Jh. v. Chr. – 1. Jh. n. Chr.), die in einem Grubenhaus in Bönnien entdeckt wurde. Einst ein alltägliches Werkzeug der antiken Textilverarbeitung, erwacht sie im Bild zu neuem Leben. Wie von Geisterhand durchtrennt die Schere einen stofflichen, landschaftsartigen Hintergrund und schneidet sich so visuell zurück in ihre eigene Geschichte.

Das atmosphärische Gegenstück „gegraben“ entführt uns an einen anderen Schauplatz und wirft uns mitten in eine typische Grabungssituation. Ein kühler, früher Morgen; die Landschaft liegt unter dichtem Nebel begraben. Doch plötzlich bricht die Szenerie auf: Ein tiefer Schnitt tut sich im Bild auf, aus dem Textfragmente hervorsprudeln. Es Bruchstücke der Fundort-Dokumentation.  Fragmente einer Zukunft, die eigentlich erst viel später geschrieben wird.

Die in der Vitrine gezeigte Schere schlägt thematisch eine Brücke direkt nach Göttingen, wo das Thema Wolle und Textilverarbeitung eine jahrhundertealte Tradition hat. Wer aufmerksam durch die Stadt geht, findet die historischen Beweise dafür mitten im Stadtbild: Straßennamen wie der Walkemühlenweg zeugen bis heute von den alten Mühlen der Tuchmacher. Heute schließt sich dieser Kreis auf ganz lebendige Weise: Seit einigen Jahren sind die vom Aussterben bedrohten Leineschafe zurück auf den Göttinger Wiesen. Als tierische Landschaftspfleger leisten sie aktiven Umweltschutz und helfen im Stadtgebiet sogar dabei, Überschwemmungen vorzubeugen.

Unsere neu gestaltete Vitrine erweckt diese Geschichte zum Leben und zeigt die beiden Bilder zusammen mit der originalen Bügelschere und weiteren spannenden Fundstücken. Zu sehen ist das „Bild des Monats“ ab dem 26.06. zur Nacht der Kultur von 15 bis 22 Uhr. 

Bild des Monats "Frank" (09.04. bis 21.05.)

Die Frau mit der Totenkrone

Unser neues Format „Bild des Monats“ startet mit einer besonderen Geschichte. In der Galerie Ahlers verbinden wir zeitgenössische Kunst mit Archäologie und holen ein barockes Rätsel aus dem 17. Jahrhundert in die Gegenwart.

Das Werk „Frank“ von Flavio Apel nimmt Bezug auf eine reale Ausgrabung des Teams von Streichardt & Wedekind in Einbeck aus dem Jahr 2022. Dargestellt ist der Archäologe Frank bei der Freilegung des Skeletts einer jungen Frau. Sie war kaum 20 Jahre alt und wurde mit einer prunkvollen Totenkrone aus Draht und Glasperlen bestattet; einem barocken Symbol für die jungfräuliche Vermählung mit Gott.

Doch die archäologische Untersuchung brachte ein spannendes und zugleich tragisches Detail ans Licht: Die junge, ledige Frau war im siebten Monat schwanger. Wie reagierte die streng christliche Gesellschaft ihrer Zeit auf dieses Schicksal? Flavio Apel dokumentiert nicht nur den Moment der Ausgrabung durch unseren Archäologen Frank, sondern interpretiert ihn künstlerisch neu.

In unserer Vitrine wird das Werk durch Fundstücke vom Originalfundort ergänzt:

Ein Original-Sarggriff und drei handgeschmiedete Sargnägel geben dem Bild einen greifbaren Rahmen.

Vom 08.04. bis 21.05. gibt es auf die Zeichnung „Frank“ einen
Nachlass von 10 % (Neuer Preis: 945 €).

Bestattung der jungen Frau mit Resten der Totenkrone samt Perlen im Kopfbereich, farblich hervorgehoben (S. Nöcker, SWA)
Bestatung einer jungen Frau mit Fötus im Beckenbereich (Befund 220), farblich hervorgehoben (S. Nöcker, SWA)
Handgeschmiedete Nägel aus Eisen mit Holzresten vom Sarg, um 1700 (F. Apel, SWA)
Sarggriff aus Eisen, nicht restauriert, um 1700 (F. Apel, SWA)