Flavio Apel – Entwurf

Kurzes Interview – Video drehen, evtl. in Schriftform

Flavio Apel ist ein deutsch-italienischer Künstler und begeistert sich schon seit seiner Kindheit für Archäologie. Bekannt ist er vor allem für seine präzisen Blei- und Farbstiftzeichnungen, die bereits in zahlreichen Ausstellungen im In-und Ausland zu sehen waren. Seit November 2023 begleitet er außerdem das Projekt Kunst und Archäologie. In dieser Zeit sind gemeinsam mit der SWA bereits eine Ausstellung, mehrere Aktionstage und Workshops entstanden. Um ihn noch besser kennenzulernen, haben wir ihm ein paar Fragen gestellt:

Flavio, wie bist du zur Kunst gekommen?
Ich komme aus einer Künstlerfamilie, deshalb waren Bilder eigentlich schon immer Teil meines Lebens. Ich hatte sehr früh einen Stift in der Hand und habe sehr viel gezeichnet. Kunst war für mich nie etwas Fremdes, sondern einfach selbstverständlich.

Was fasziniert dich an der Archäologie?
Auch mit Archäologie hatte ich schon als Kind viele Berührungspunkte. Eines meiner Lieblingsgeschenke war damals das Buch der Mumien, das war fast größer als ich selbst. Mich faszinieren bis heute die Spuren der Vergangenheit und die Vorstellung, welche Menschen sie hinterlassen haben. Gleichzeitig frage ich mich immer, was uns mit ihnen verbindet und was völlig anders war als heute.

Wie passen Kunst und Archäologie für dich zusammen?
Für mich ergänzen sich beide Bereiche perfekt. Kunst kann neue Blickwinkel auf die Vergangenheit eröffnen, während archäologische Funde und Befunde wiederum starke Inspirationsquellen sind. Außerdem gibt es spannende Parallelen in der Arbeitsweise: Sowohl Archäologie als auch Zeichnung haben viel mit Schichten, Details und dem Freilegen von Verborgenem zu tun.

Warum arbeitest du besonders gern mit dem Medium Zeichnung?
Ich mag an der Zeichnung, wie unmittelbar sie ist. Eigentlich braucht man nur Papier und Stifte und vielleicht noch einen Radiergummi. Man kann überall zeichnen, und das Medium ist unglaublich vielseitig. Es war für mich nie eine bewusste Entscheidung, sondern eher etwas, das sich ganz natürlich entwickelt hat.

Welche Vor- und Nachteile hat der Bleistift für dich?
Der Bleistift erlaubt eine enorme Präzision und unglaublich feine Abstufungen. Gleichzeitig verlangt er aber auch Geduld. Ich kann nicht einfach mit Weiß arbeiten, sondern muss helle Stellen von Anfang an freilassen. Auch gleichmäßige Flächen können dadurch sehr zeitaufwendig werden.

Wie entsteht bei dir ein Bild – von der ersten Idee bis zur fertigen Zeichnung?
Manchmal ist eine Idee plötzlich da, manchmal entwickelt sie sich über Tage oder Wochen. Danach mache ich oft Skizzen und Fotos als Referenz. Und dann beginnt die eigentliche Arbeit: das Zeichnen. Manche Bilder entstehen in wenigen Tagen, andere begleiten mich über Monate.

Wie ist die Kooperation mit SWA zustande gekommen? Was findest du an der Zusammenarbeit besonders spannend?
Die Zusammenarbeit entstand vor etwa drei Jahren bei einer Einzelausstellung meiner Arbeiten in der Galerie Ahlers. Dort habe ich Frank und Silvana kennengelernt, die ein Projekt entwickeln wollten, das Kunst und Archäologie verbindet. Ich fand die Idee sofort spannend. Besonders interessant ist für mich der Zugang zu Fundstücken und Grabungsorten. Dabei lerne ich immer wieder, wie vielfältig Archäologie eigentlich ist und daraus entstehen gemeinsam ständig neue Ideen und Projekte.

Gibt es ein archäologisches Objekt, das dich besonders beeindruckt hat?
Ja, der Eckbeschlag, den ich für die Ausstellung „gegraben, geborgen, gezeichnet“ gezeichnet habe. Ich fand ihn sofort faszinierend, sehr fein gearbeitet und voller Details. Auch der Fundkontext war spannend. So ein Objekt erzählt auf seine Weise bereits eine Geschichte.

Was kann Kunst über Vergangenheit erzählen, was reine Fakten manchmal nicht können?
Kunst kann Vergangenheit greifbarer und emotionaler machen. Sie eröffnet neue Zugänge und lässt Raum für eigene Gedanken und Interpretationen. Manchmal erreicht ein Bild Menschen direkter als reine Fakten.

Was sollte man dich lieber nicht fragen?
Wie lange ich für ein Bild brauche.

An welchen neuen Projekten arbeitest du gerade? Hast du ein Traumprojekt?
Gerade arbeite ich an mehreren neuen Projekten und Bildserien. Ein Traum von mir ist es außerdem, einmal ein wirklich sehr großes Bild zu zeichnen. Mehr verrate ich dazu aber noch nicht.